AMERIKA WOCHE

Anmeldedatum: 11.07.2007 Beiträge: 16777198
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Titel: Anmerkungen für: Tummeln mit Grossen Tümmlern von Edda Verfasst am: Sa Nov 24, 2007 7:00 am |
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Tummeln mit Grossen Tümmlern von Edda Buchner, AW (Begegnung mit Edda)
Port Aransas am Golf von Mexiko liegt etwa dreieinhalb Autostunden, 150 Meilen, von San Antonio entfernt. Gemessen an den enormen Distanzen in Texas ist für uns sozusagen die Küste von Padre Island gleich um die Ecke. Auf der nach Hause Fahrt, wenn wir mit Sonne und Seewasser getränkt sind, entscheiden wir uns meist für die schnellere Route auf Interstate 37 über Corpus Christie. Für die Hinfahrt wählen wir jedoch schmalere Landstrassen, die durch kleinere Ortschaften führen. In manchen Städten, wie in Beeville, zeugen grossartig gebaute Rathäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert von hochfliegenden wirtschaftlichen Ambitionen. Doch normalerweise wirken die mehrstöckigen Gebäude an der Mainstreet eher wie vergessenene Prinzen zwischen Dairy Queen und Burger King Restaurants. Seit 1886 rattern ellenlange Frachtzüge an den weit auseinanderliegenden Orten vorbei, sie transportieren Stückgut von der Küste ins Inland und zurück.
Die Landschaft hat ihre Eigenart behalten. Das Terrain wechselt von hügeligen Weiden, auf denen krumm gewachsene Mesquitebäume von der ehemalige Prärie Besitz ergreifen bis zum bügelbrettflachen Küstenstrich, der von endlosen Baumwollfeldern weiss beschneit ist. Silbergraue Brahmas, rote Herefords, weisse Charolais oder schwarze Angus Rinderherden, begleitet von zierlich weissen Ibis Vögeln, ziehen gemächlich durchs harte Gras. Manchmal sieht man flache Seen schimmern auf denen weisse Reiher und braune Pelikane sich zu völkerreichen Gemeinden versammeln. Dazwischen ragen ab und zu alleinstehende Ranchhäuser inmitten ihrer ausgedehnten Besitzungen auf. Vierbeinige, 10 Meter hohe Windmühlen aus Stahl pumpen Grundwasser hoch, gedrungene Ölpumpen, die wie monströse schwarze Grashüpfer aussehen, fördern das flüssige Gold zu Tage. Fast am Ziel sieht man dann massige Farmsilos, haushohe mit Baumwolle vollgestopfte Maschendrahtwaggons und in der Ferne feuerspeiende Ölraffinerien, die schlanken arabischen Minaretten ähneln.
Dann kommt der Moment auf den ich gewartet habe. Wir nähern uns der Fähre. Endlich strömt die geliebte Salzwasserluft durchs offene Autofenster und die Delphine springen zur Begrüssung in der Fahrwasserrinne zwischen Festland und Insel. Im Sommer bringen etwa ein halbes Dutzend Fähren den Besucherstrom in wenigen Minuten nach Port Aransas. Wir müssen etwas warten, weil ein immenser, unbeladener Tanker und ein turmhohes Frachtschiff im Schneckentempo auf Corpus Christie zusteuern. Die Kolosse schüchtern unsere texanischen Bottlenose Dolphins (Tursiops truncates) durchaus nicht ein. Die bis zu 600 Pfund schwer und bis zu vier Meter lang werdenden Meeressäugetiere weben ihre akrobatische Bogen graziös um den Schiffsbug der Monster. Oft blitzen ihre stahlgrauen Rücken mit der nach hinten gekurvten Rückenflosse im Duo nebeneinander auf. Die zu den Walen (Cetacean) gehörenden Tiere leben überhaupt gerne in geselligen, bis zu zwanzig Artgenossen zählenden Gruppen beisammen.
Es ist eine Freude, die unter dem Marine Mammal Protection Act von 1972 stehenden Delphine (sie leben fast 50 Jahre) zu beobachten. Die Bottlenose Dolphins, mit dem schönen deutschen Namen Grosser Tümmler, sind überall auf der Welt in tropischen Gewässern heimisch und tummeln sich mit wahrer Hingabe an der Mole von Port Aransas. Wie man inzwischen weiss, haben die intelligenten Delphine in ihrem gewölbten Kopf die einzigartigen Eigenschaften von Echolocation und Communication, d.h.sie schaffen es mit anderen zu kommunizieren während sie gleichzeitig navigieren. Sehr wahrscheinlich besser als ich zur selben Zeit reden und kochen kann. Doch wie ein typisches Säugetier, muss der Delphin unter Wasser den Atem anhalten. Also Blasloch zu, wenn man maximal fünf Meter taucht und nach spätestens zehn Minuten wieder an der Oberfläche einatmen. Die putzige Schnauze (Rostrum), die immer aussieht als ob der Delphin lächelt, verbirgt ein Gebiss von 20-25 konischen, ineinandergreifenden Zähnen. Allerdings benutzt er die nur zum Fische fangen nicht zum kauen, denn seine Beute schluckt er ganz runter. Jedesmal wenn ich an die Küste fahre bin ich heilfroh, diese herrlichen Tiere in Freiheit bewundern zu dürfen. Am liebsten mache ich ihre Kapriolen nach und tummle mich selbst stundenlang in den Wellen.
Vor ein paar Jahren, als das Meer besonders glasig und ruhig lastete und kein Mensch zu sehen war, wollte ich allein im Wasser die weite Strecke bis zur Mole zurücklegen. Mit dem Gesicht zum Strand gewendet schwamm ich auf meiner rechten Seite lang ausgestreckt in rhytmischen, weitausgreifenden Zügen. Glitt wie der Kiel eines Bootes oder die Bauchfinne eines Fisches glatt und nahezu wiederstandslos durch die Wellen. Das Wasser strömte schmeichelnd über meine Haut, meine langen Haare fächerten wie Seetang an der Oberfläche. Meerjungfrauen fühlten sich bestimmt derart mit dem Wasser verbunden. Hinter meinem Rücken hörte ich zeitweise tiefes Seufzen. Sicherlich eine Einbildung. Um mich herum war doch nichts weiter als der bauchige Golf von Mexiko, der seine warmen, salzigen Wassermassen bis weit hinter die Bohrtürme zum kalten Atlantik ausdehnte. Und vor mir schimmerte in Reichweite der meilenlange weisse Strand, wo zwischen Dünen einige Hotelhochhäuser und bonbonfarbene Bungalows im Sonnenlicht waberten. Mit leichtem Aufklatschen rollte die glasige Brandung verschäumend im Sand aus.
In Abständen von mehreren Minuten vernahm ich wieder deutliches Prusten hinter mir. Immernoch nichts ahnend wälzte ich mich herum und traute meinen Augen kaum. Etwa zwei Körperlängen entfernt tauchte lächelnd ein hellgrauer Delphin, der gleich mir ebenmässigen Abstand zum Strand hielt, durch die Wellen. Entzückt über diese märchenhafte Nähe zur Meereskreatur und nicht willens den Kontakt zu verlieren, drehte ich mich wieder auf die Seite und versuchte schneller zu schwimmen. Wenn der Delphin mich durch meine bisherigen gemächlichen Bewegungen vielleicht für einen Artgenossen oder sonst etwas Harmloses gehalten hatte, fand er den jetzt von mir angeheizten Wettstreit absurd. Mit einer geschmeidigen Biegung seines glatten, stromlinien-förmigen Körpers tauchte der grosse Tümmler weg und wenig später sah ich seine wie ein Segel gebogene dreieckige Dorsalfinne weiter draussen im Meer. Immerhin, eine zeitlang waren Delphin und Mensch wie bei der Erschaffung der Welt harmlose Weggenossen gewesen. Träumend paddelte ich auf dem Rücken in die erwünschte Richtung, der Sog begünstigte meine Bewegungen. Kurz vor der Mole, in der Nähe von meinem Badehandtuch, liess ich mich an den Strand treiben.
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