AMERIKA WOCHE

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Titel: Anmerkungen für: Führungswechsel beim Energiekonzern Vattenf Verfasst am: Do Nov 12, 2009 6:18 pm |
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Führungswechsel beim Energiekonzern Vattenfall
Stockholm/Berlin (dpa) - Der wegen der Pannenserie in seinen deutschen
Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel massiv in die Kritik geratene
schwedische Energiekonzern Vattenfall steht vor einem Führungswechsel.
Wie der Aufsichtsratsvorsitzende Lars Westerberg am Freitag in
Stockholm ankündigte, soll für Konzernchef Lars G. Josefsson (59) "in
wenigen Wochen" ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin präsentiert
werden. Schwedens Wirtschaftsministerin Maud Olofsson erklärt, sie
wolle einen Wechsel an der Spitze des Staatskonzerns "so schnell wie
möglich".
Olofsson hatte am Vorabend eine von Josefsson im letzten Jahr
unterzeichnete Haftungsverpflichtung für Unfälle in Vattenfalls
norddeutschen Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel als "nicht
akzeptabel" bezeichnet. Danach muss der Mutterkonzern in letzter
Instanz für alle Schäden haften. Die Regierung sei bisher davon
ausgegangen, dass es nur eine Haftung für die deutsche Tochter
Vattenfall Europe gebe und das Unternehmen in Schweden durch
"brandsichere Wände" davon abgetrennt sei.
Das Bundesumweltministerium betonte am Freitag, die Betreiber von
Kernkraftwerken in Deutschland müssen für Unfälle und Pannen ihrer
Atommeiler in vollem Umfang haften. Diese Regelung existiere seit 1985,
sagte ein Sprecher des Ministeriums. In Deutschland geht es in
dieser "theoretischen" Diskussion um die Pannenreaktoren Krümmel und
Brunsbüttel. Hierfür ist nach dem deutschen Atomgesetz generell eine
Deckungsvorsorge je Reaktor bis zur Höchstgrenze von 2,5 Milliarden
Euro zu treffen, wie aus einer der Deutschen Presse- Agentur dpa
vorliegenden Information des Bundesumweltressort vom April 2008
hervorgeht.
Vattenfall-Aufsichtsratschef Westerberg erklärte: "Vattenfall
war sich vielleicht nicht ganz über alle Restrisiken in dieser Sache im
Klaren." In Stockholmer Medienberichten hieß es, Josefsson habe mit
seiner Unterschrift ohne Absprache mit der Regierung als einzigem
Eigner das komplette Unternehmen in Deutschland "verpfändet". Sollte
die volle und unbegrenzte Haftung eintreten, sei Schwedens wichtigster
Stromversorger sofort bankrott. Josefsson meinte, der Haftungsvertrag
mit der Bundesregierung könne "jeden Tag gekündigt und geändert
werden".
Ihm wird von der Regierung auch die Pannenserie in Krümmel und
Brunsbüttel sowie schwedischen Vattenfall-Atomreaktoren, der schlechte
Ruf des Unternehmens und die Konzentration auf nicht erneuerbare
Energien wie Atomkraft, Kohle und Gas angelastet. Der seit 2000
amtierende erklärte im Rundfunk, er wolle bis zu seinem 60. Geburtstag
in knapp einem Jahr im Amt bleiben. Die massive Kritik der letzten Tage
beruhe auf "Falschmeldungen und Halbwahrheiten".
Für die Grünen im Europaparlament verlangte Fraktionschefin
Rebecca Harms einen grundlegende Strategiewechsel bei Vattenfall. Sie
sagte zu der angekündigten Ablösung von Lars G. Josefsson an der Spitze
des Staatskonzerns: "Das reicht allein nicht." Vattenfall müsse in
mehreren europäischen Ländern sein "rückwärtsgewandtes Setzen auf
Atomkraft und Kohle und in Deutschland vor allem die verrückten
Braunkohle-Aktivitäten aufgeben."
Nach Meinung des Sprechers der bundesweiten Anti-Atom-
Organisation (AAO), Jochen Stray, zeigt "die Aufregung in der
schwedischen Regierung über Josefssons Haftungserklärung, dass die
Verantwortlichen in Stockholm einen Super-GAU in Krümmel oder
Brunsbüttel durchaus für möglich halten".
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