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AMERIKA WOCHE



Anmeldedatum: 11.07.2007
Beiträge: 16777198

BeitragTitel: Anmerkungen für: Zahl der Schweinegrippe-Erkrankten steigt i
Verfasst am: So Nov 01, 2009 6:19 pm 
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Zahl der Schweinegrippe-Erkrankten steigt in Deutschland an



Berlin (dpa) - In Deutschland ist die Zahl der Schweinegrippe-
Infektionen deutlich angestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI)
rechnet deshalb mit weiteren Todesfällen.



"Die Welle, die wir für den Herbst erwartet haben, hat begonnen",
sagte RKI-Präsident Jörg Hacker am Montag in Berlin. Neue Todesfälle
und schwerere Krankheitsverläufe seien für die Zukunft nicht
auszuschließen.



Hacker wertete es als "Warnsignal", das es bei einer der sechs
gestorbenen Schweinegrippe-Patienten in Deutschland keine
Vorerkrankungen gab. Zuletzt registrierte das RKI Ende Oktober rund
3000 Fälle der Neuen Grippe pro Woche. Die meisten Neuinfizierten pro
100 000 Einwohner leben in den Bundesländern Bayern und Mecklenburg-
Vorpommern im Süden und Norden der Republik.



Mit den steigenden Krankheitszahlen habe die Schweinegrippe wieder
das Niveau der ersten kleine Welle im Juli und August erreicht, sagte
Hacker. Der Unterschied sei aber, dass die Oktober-Erkrankungen nicht
durch Urlaubsreisen eingeschleppt wurden, sondern die Patienten sich in
Deutschland ansteckt hätten. Die Zunahme der Fälle werde wahrscheinlich
noch eine Weile anhalten.



Seit Mitte Juni sind für Deutschland fast 30 000 Schweinegrippe-
Fälle registriert. In der Realität dürften es weitaus mehr sein, da
nicht jeder Kranke zum Arzt geht. Hacker spricht von einer "partiellen
Untererfassung". In Europa sind bisher 317 Schweinegrippe-Tote
gemeldet, die meisten in Großbritannien.



Bei der Frage, wer sich unbedingt gegen Schweinegrippe impfen
lassen soll, schließt er sich den Empfehlungen der Ständigen
Impfkommission an: medizinisches Personal, Schlüsselpersonal der
öffentlichen Sicherheit und Ordnung, chronisch Kranke und Schwangere
nach einer individuellen Beratung. Und die normale Bevölkerung? "Es
gibt keine Impfpflicht. Jeder muss selbst wissen, wie er sich zu der
Impfung verhält", sagte Hacker.



Die möglichen Nebenwirkungen wie Reaktionen an der Einstichstelle
oder kurzzeitiges Fieber seien bekannt. Um die Grippewelle einzudämmen
sei es aber günstig, wenn sich viele Menschen impfen ließen. Hacker
selbst geht mit guten Beispiel voran. Er lässt sich gleich doppelt
pieksen: gegen die saisonale Grippe und gegen die Schweinegrippe. Jeder
kann sich und andere zudem durch einfache Regeln schützen: Häufig die
Hände waschen und beim Husten oder Niesen nicht die Hand vor das
Gesicht halten sondern die Armbeuge.



Dass die Schweinegrippe-Welle rollt, merkt das RKI auch am
"Praxisindex". Er misst, wie viele Patienten mit Atemwegs- Erkrankungen
in ausgewählte Arztpraxen kommen. Bei typischen Grippesymptomen wie
plötzlichem hohen Fieber schicken die Ärzte Rachen- oder Nasenabstriche
ans Labor. Im Sommer lag die Zahl positiver Schweinegrippe-Tests bei 8
bis 10 Prozent. Nun liege die Zahl bei 27 Prozent, ergänzte Hacker. Die
normale saisonale Grippewelle, an der jedes Jahr durchschnittlich 8 000
bis 11 000 Menschen sterben, ist dagegen noch nicht gestartet.



Hacker hält die Diskussion um die Schweinegrippe nicht für
Panikmache. "Man muss die Todesfälle sehen", betonte er. Die enge
Verbindung zwischen Pharmaindustrie und Impfkommission sieht er auch
nicht per se als kritikwürdig an. "Impfstoffe müssen produziert
werden", sagte er. Ohne eine "Interaktion" mit Wissenschaftlern, die
das Virus bewerten, sei das nicht möglich. "Die Verbindungen zu
Unternehmen werden transparent gemacht", betonte der RKI-Präsident.
Beim Anschein von Befangenheit würden Mitglieder der Kommission bei
Besprechungen den Raum verlassen. Hacker betonte aber auch, dass die
Impfkommission unabhängig vom RKI arbeite.



Bis auf die steigenden Krankheitszahlen hatte er auch gute
Nachrichten: Das Schweinegrippe-Virus hat sein Erbgut nach wie vor
nicht verändert. Es gibt also bisher keine Steigerung seiner
krankmachenden Wirkung. In Deutschland seien bei 400 Untersuchungen
auch keine Virus-Varianten entdeckt worden, die nicht auf das
Medikament Tamiflu ansprachen. Eine Entwarnung ist das nicht. Wie
bereits im Sommer betonte Hacker, dass das Virus mutieren kann. Und mit
dem Blick auf das kalte, verregnete Berlin ergänzte er: "Das ist
Grippewetter."


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