AMERIKA WOCHE

Anmeldedatum: 11.07.2007 Beiträge: 16777198
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Titel: Anmerkungen für: Berlin hat die meisten Autodiebstähle Verfasst am: Mo Nov 09, 2009 7:48 am |
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Berlin hat die meisten Autodiebstähle
Berlin (dpa) - Genau 102 Kilometer sind es vom Brandenburger Tor in
Berlins Mitte bis zur deutschen Grenze. Wenn der Verkehr flüssig läuft,
ist ein schnelles Auto in einer Stunde an der Oder. An der Grenze zu
Polen stauten sich dort bis vor zwei Jahren wegen der Kontrollen
Lastwagen in langen Schlangen. Heute bremst der Autofahrer kurz ab,
fährt am leeren Grenzerhäuschen vorbei - dann ist die Grenze passiert.
Diesen Weg nehmen inzwischen immer mehr gestohlene Autos aus Berlin.
Die Hauptstadt ist nach Einschätzung von Polizei und Versicherungen
derzeit die erste Adresse für Autodiebe aus Osteuropa.
Jahrelang sank die Zahl der Autodiebstähle in ganz Deutschland
wegen modernster technischer Sicherheitssysteme. Seit diesem Jahr
registriert die Berliner Polizei allerdings einen rapiden Anstieg der
Diebstähle. 5000 Autos - 40 Prozent mehr als vor einem Jahr - wurden
von Januar bis September gestohlen. Das Diebstahlrisiko ist nach
Versicherungsstatistiken für Autobesitzer in Berlin zehnmal so hoch wie
in Bayern oder Rheinland-Pfalz. Neben Brandanschlägen von
Linksautonomen sind die Autoknacker für Fahrer teurer Sport- oder
Geländewagen ein zweiter Grund, morgens einen besorgten Blick auf die
Straße zu werfen.
Allerdings verschwinden nicht mehr hauptsächlich schwere Limousinen
oder teure Sportwagen. Zwar belegen Geländewagen von Porsche und BMW
vordere Plätze der Diebstahl-Statistik. Immer mehr gerät aber die
klassische Mittelstandskarosse ins Blickfeld der Diebe. VW-Busse,
verschiedene Golf-Modelle, der Audi A6 oder Kombis von Skoda
verschwinden über Nacht.
Während der gestohlene Porsche Cayenne Stunden später jenseits der
Grenze in der Nacht verschwindet, werden Golfs und Skodas in
leerstehenden Lagerhallen in Brandenburg in Einzelteile zerlegt und
stückweise verschoben. Offenbar gibt es in Osteuropa und Asien einen
steigenden Bedarf nach Ersatzteilen für beliebte Mittelklassemodelle.
Mit High-Tech-Werkzeugen und Laptops überlisten gut organisierte
Banden auch vermeintlich sichere Wegfahrsperren. "Die
Diebstahlsicherungen etlicher Fabrikate sind leider nicht auf dem
neuesten Stand", sagt Bodo Pfalzgraf, Berliner Landesvorsitzender der
Gewerkschaft der Polizei. "Einige Firmen haben schlicht die Entwicklung
und den Einbau neuester Sicherungstechnik verschlafen."
Die Polizei, die sich sonst mit Interpretationen von Statistiken
eher zurückhält, sieht klare Gründe für die "Trendwende". Ende 2007
öffneten die Grenzen zu Osteuropa. Bereits kurz danach stieg die Zahl
der Autodiebstähle in Ostdeutschland an. 2009 habe die Entwicklung auch
Berlin erreicht. "Ein Zusammenhang mit der Grenzöffnung zu den
östlichen Nachbarländern ist anzunehmen", lautet die Analyse der
Fahnder.
Auch die kürzlich veröffentlichten Zahlen des Gesamtverbandes der
Deutschen Versicherungswirtschaft von 2008 zeigen den Trend zulasten
Berlins. Mit großem Abstand führte die Hauptstadt die Liste an. Von
1000 Autos, die gegen Diebstahl versichert waren, wurden im
Durchschnitt 2,6 Wagen gestohlen. Andere Großstädte wie Hamburg kamen
mit einer Quote von 1,4 auf nur etwas mehr als die Hälfte. Der ganze
Unterschied wird deutlich am Vergleich mit Flächenländern im Süden und
Südwesten. In Bayern, Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz stehen die
Autos zehnmal sicherer. Nur 0,2 von 1000 Wagen wurden dort als
gestohlen gemeldet.
In Panik verfallen sollten die Berliner trotzdem nicht. Zwar klingt
die Zahl von voraussichtlich knapp 7000 gestohlenen Autos in diesem
Jahr sehr hoch. Aber vor zehn Jahren waren es 12 000. Und drei Jahre
nach der Wiedervereinigung im Jahr 1993 zeigten die Hauptstädter 29 000
Autodiebstähle an.
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