KOMMENTAR
- Gefährliche Artikel!
- Weihnachtsrequiem für einen Baum
- Einfach nur platt gemacht!
- Tummeln mit Grossen Tümmlernvon Edda Buchner, AW (Begegnung mit Edda)
- Wie geht es weiter?Gedanken und Beobachtungen aus der Hauptstadt
- Kinder, Spione von morgen?
Gefährliche Artikel!
Ihre Meinung
Liebe Leserinnen und Leser,
politische Kommentare können so oder so gefärbt sein, je nach dem Auge des Betrachters bzw. des Schreibenden. Und Kommentare sind ganz sicher auch immer Eines, eine ganz persönliche Meinung, die mehr oder weniger auf Fakten beruht. Eigentlich sollte sich ein
korrekter Kommentar auf gegebene Tatsachen stützen und dann zur Meinungsbildung der Lesenden beitragen. Einen Anspruch auf Alleingültigkeit kann ein Kommentar nie haben, und das ist auch nicht sein Auftrag. Wie gesagt, er soll Aspekte aufzeigen, Denkanstöße geben. Und dabei sollte ein Kommentar so neutral sein, wie er nur eben sein kann.
Das heißt gewiss nicht, dass er keine eigene Meinung wieder geben soll, denn gerade dafür ist er ja da. Wenn man aber als Kolumnist oder Redakteur seiner Meinung ganz bewusst falsche Fakten zu Grunde legt, dann kann das nicht richtig sein. Leider geschieht das immer wieder, in Medien aller Länder - und die deutschen Kollegen waren darin schon oft genug wahre Weltmeister. Sie haben dazu beigetragen, dass die Deutschen im Laufe der Geschichte an die irrwitzigsten Sachen geglaubt haben, an den Kaiser, an die Nazi-Politik, an den Endsieg, an die Ewigkeit der ach so harten D-Mark, an Mülltrennung und sogar an Telekom-Aktien, bekanntlich einer der größten Flops der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Gefährlich wird es, wenn die politischen Gegebenheiten verbogen werden, wenn die Ausrichtung höchstradikaler Polit- und Glaubenssysteme fälschlich dargestellt wird. Der Islam ist gefährlich, nicht wegen seiner eigentlichen Weltanschauung, sondern weil höchstgefährliche Radikale oftmals das Zepter in der Hand halten. Ahmadinedschad ist eine Bedrohung, und wenn er erst die Atombombe hat, wird die Bedrohung noch größer. Einseitige Artikel und Kommentare sind auch gefährlich, denn sie führen z.B. dazu, dass im gerade abgelaufenen Jahr laut einer Forsa-Umfrage 57 Prozent der 18- bis 29-jährigen Deutschen die USA für gefährlicher hielten als das Regime im Iran. Unglaublich! Man muss mit der Politik von Bush nicht einverstanden sein, aber diese Einschätzung in Hinsicht auf die Politik in den menschenverachtenden Mullah-Regimen ist Wahnwitz. Wie wäre es, allen so Denkenden einen einjährigen Zwangsaufenthalt in Afghanistan oder im Iran aufs getrübte Auge zu drücken?
Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief
Weihnachtsrequiem für einen Baum
Ihre Meinung
edda hergert-buchner Kolumne “Begegnung mit Edda”
Die Bäume im Hill Country wuchsen sehr langsam. Die Erde war felsig, es schneite fast nie und regnete wenig. Manchmal fiel jahrelang kaum ein Tropfen wie in den fünfziger Jahren, als der Staub bis über die Knie der Rancher hochwirbelte. Alle Pflanzen dürsteten nach Wasser und sogen jedes bisschen Feuchtigkeit aus den eilig vorbeiziehenden Wolken. Selbst die allergrössten Bäume mit den allertiefsten Wurzeln hörten auf zu wachsen um ihre Kräfte zu schonen. Doch der Hackberrybaum, der auf der höchsten Erhebung der Arrowhead Ranch stand, hatte bisher Trockenheit und Stürme wacker überstanden. Mittlerweile zählte er zu den höchsten und weit dicksten Hackberries im Umkreis.
Der knorrige Patrizier wurzelte mitten auf einem grasigen Rondell und streckte seinen zerzausten Wipfel weit in den Himmel. Er war nicht der schönste Baum. Über seinem geraden Stamm teilten sich auf kopfeshöhe zwei mächtige Arme zu einem V, aber von da ab krümmten und drehten sich die unansehnlichsten, mit allerlei Flechten und Schmarotzern besetzten Äste. Fräulein Mockingbird, die Spottdrossel, störte das zottlige Aussehen ihres Freundes nicht. Jeden Abend flog die Graugefiederte auf den allerhöchsten Ast und pfiff ein Lied, das sie grad dem roten Kardinal abgelauscht hatte. Und jeden Frühling baute sie ihr Nest im verwurschtelten Gezweig, denn der grossväterliche Hackberry war ein guter Spielplatz für halbflügge Vögelchen.
Eines Tages war es aus mit der Zweisamkeit. Direkt unter dem ausladenden Astwerk des Herrn Hackberry spross ein winziger Zedernschössling mit hellgrünen frischen Tannennadeln. Zuerst fühlte sich das kleine Zederbäumchen im Schutz des riesigen Baumes wohl, doch bald murrte es: “He Du langer Kerl, wirf mal deine Blätter ab, ich brauche mehr Licht!”. Knarrend lächelte der Hackberry über den frechen Sprössling und erlaubte, dass der Sturm ihm ein paar morsche Äste abbrach. Jetzt fiel genug Sonnenlicht auf die Zeder und sie wuchs heran.
An einem Adventstag erzählte ihr die Spottdrossel, dass im Hill Country die schönsten, gerade gewachsenen Zedern als Weihnachtsbäumchen in die Stuben gestellt wurden. Ach, wie gerne hätte unsere Zeder dazu gehört. Doch sie war etwas schief gewachsen, weil sie sich im Schatten des Hackberries immerzu nach Osten zum Licht neigen musste. “Hallo, du Riese, rück ein Stück! Ich brauch Platz, um ein gerader Weihnachtsbaum zu werden.” rief sie. Der umsichtige Patriarch wollte aber die kleine Zeder nicht verlieren und brummte: “Wachs lieber krumm, dann kannst Du noch lange hier oben auf der Wiese in meinem Schutz stehen.” Und er wich keinen Handbreit zur Seite, egal wie sehr das Nadelbäumchen quängelte. Um den grossen Baum tüchtig zu ärgern entschied sich die Zeder nun einfach besonders in die Breite zu wachsen
Die Spottdrossel wunderte sich über den Streit, aber sang wie immer im obersten Wipfel ihre erfundenen Lieder. Stürme zerausten die Krone des uralten Laubbaumes und in dem V-Einschnitt zwischen den beiden mächtigen Ästen moderten allerhand Blätter und Zedernnadeln, die den Spalt noch vertieften. Als es wieder weihnachtete, jammerte die Zeder, die inzwischen viel zu dick für einen Christbaum war: “ Du Alter, schenk mir doch ein bisschen Weihnachtsschmuck!” Froh ihr einen Wunsch erfüllen zu können, liess der Hackberry neben ihr einen dunkelgrün glänzenden Agaritabusch mit roten Beeren wachsen und erbat sich Mistelzweig Samen von der Spottdrossel. “Mistletoe breitet sich schnell aus und macht dich kaputt,” warnte der Vogel seinen Freund. Aber das Zederfräulein wollte unbedingt Mistelzweige haben, weil man sich darunter küssen durfte.
Der Mistletoe breitete sich schnell in Hackberrys Krone aus. Immer mehr Zweige brachen ab, überall ragten unansehnliche Beulen heraus, tiefe Löcher entstanden und die Baumrinde ähnelte schartiger Krokodilshaut. Doch das Zederfräulein war zufrieden , und als im Advent der Mistletoe blühte und hübsche weisse Kügelchen bekam, schrie sie ungeduldig: “ Wirf mir endlich ein paar Perlen runter!” Geduldig schüttelte der Riesenbaum sein entlaubtes Geäst bis viele zierliche Kügelchen auf die dunkelgrünen Zedernadeln rieselten.. “Ach, wenn ich jetzt nur wie ein richtiger Weihnachtsbaum in einer Stube stehen dürfte,” schluchzte die rundliche Zeder und erweichte das Herz des langmütigen Hackberries vollends. Lange sann er darüber nach, wie er ihren Wunsch erfüllen könnte ohne dass sie dabei richtig zu Schaden käme.
Des Nachts, als niemand zusah, liess sich der ächzende Baum vom wild blasenden Blauen Norder direkt über dem V-Einschnitt eine Seite abbrechen. Der schwere Ast traf die Zeder: “Aua!” brüllte das Nadelbäumchen, “Ist das mein Weihnachtsgeschenk, dass Du meine schönen grüne Zweige abreisst?” Lass nur gut sein, dachte der geplagte Alte, dein grösster Wunsch soll in Erfüllung gehen. Und richtig, am nächsten Tag sägte der Rancher die Bruchstelle glatt und entdeckte dabei, dass der morsche Riese fast ausgehöhlt war und sich kaum noch aufrecht halten konnte. Es half nichts, der alte Baum musste gefällt werden. Als alles Holz geschnitten war, rief die Tochter des Ranchers. “Guck mal Papa, dieser abgerissene Zederast sieht genau wie ein hübsch gewachsenes Weihnachtsbäumchen aus. Wir wollen es in der Stube aufstellen und mit roten Kerzen und weissen Sternen schmücken.”
Als die Zeder das hörte freute sie sich unbändig, dass wenigstens ein Teil von ihr, das herrliche Weihnachtsfest mitmachen durfte. Doch als das kalte Abendrot den Himmel lilablau färbte und die Zeder sich wie gewohnt beim alten Hackberry ankuscheln wollte, fehlte ihr der vertraute Freund sehr. Jetzt erst, am Heiligabend, erkannte sie wie oft der gutmütige Baumriese sie beschützt und ihre Wünsche erfüllt hatte. Der Vollmond schien auf den zersägten Stamm, der aus bestem Hartholz gemacht war und die Spottdrossel flog leise heran und dachte über die Freundschaft nach. Am nächsten Tag, als die heisere Bronzeglocke der Kirche den Weihnachtsmorgen einläutete, brachte der Vogel der Zeder ein Geschenk. Er verscharrte viele Samen bei der Wurzel des mächtigen Baumstumpfes. Die rundliche Zeder netzte die Samen mit Tautropfen, dann rieselten Schneeflocken darauf, denn selbst in Texas passieren Weihnachtswunder , und im nächsten Frühjahr sprossen aus den Wurzeln des gefällten Riesen neue Hackberryschösslinge hervor. Und wisst ihr wer diese jungen Triebe beschützte? Natürlich der kleine Zedernbaum, der von seinem grossen Hackberry Freund viel gelernt hatte.
Einfach nur platt gemacht!
Ihre Meinung
Liebe Leserinnen und Leser,
wir alle sind immer wieder betroffen, wenn wir hören, dass irgendwo eine Produktionsstätte dicht macht und die Arbeitnehmer künftig auf der Straße stehen werden, wenn sie nicht schleunigst wieder einen neuen Arbeitsplatz finden. Und wie oft kommt uns dabei der Gedanke, dass es bei so einer Aktion weder um die Produktionsstätte geht noch um deren Rentabilität oder Mitarbeiter? Sicherlich schon öfters. Und es ist längst erwiesen, dass große Konzerne kleine Unternehmen gerne „platt machen“, wenn sie sie erst einmal aufgekauft haben. Da geht es um höhere Finanzpolitik, um Steuerabschreibungen, um in den Steuererklärungen ausgewiesene Verluste durch eben diese aufgekauften kleinen Firmen, die dann plötzlich nicht mehr rentabel waren und in den Konkurs gegangen sind. Wie verlogen und menschenverachtend eine derartige Wirtschaftspolitik ist, zeigt der Fall des Fahrradwerks „Bike Systems“ aus Nordhausen (siehe nebenstehenden Bericht). Da zeigt die Belegschaft des in Konkurs stehenden Unternehmens ganz eindeutig, dass die Gründe für diesen Konkurs in dem Mutterkonzern, der Investmentgesellschaft „Lone Star Funds“, liegen. Es wird Masse gebraucht, die als Negativa abgeschrieben werden kann. Denn das Werk funktioniert und rentiert sich sogar. Nachdem die Belegschaft von „Strike Bike“ das Werk vor drei Monaten kurzerhand besetzt hat, laufen die Bestellungen ein und es wird nicht nur kostendeckend produziert. Neben Produktions-, Betriebs- und Lohnkosten - die arbeitenden Streikenden stehen in vollem Lohn - bleibt sogar noch etwas übrig. Das zeigt ganz klar, dass es „Lone Star Funds“ überhaupt nicht um die Rentabilität des Unternehmens geht - es soll ganz einfach kaputt gemacht werden. Für die 122 Mitarbeiter werden angeblich derzeit Profile zur beruflichen Weiterqualifizierung erstellt. Fazit: Diese Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen brauchen diese Qualifizierung nicht, man sollte sie ganz in Ruhe und gerne auch auf eigene Regie weiter arbeiten lassen. Und wenn der Mutterkonzern damit nicht einverstanden ist, dann sollte es ein - vielleicht sogar staatliches - Gremium geben, das einschreitet und die Arbeitsplätze erhält. Wenn sich eine Belegschaft derart einsetzt und unter Beweis stellt, dass ihr Unternehmen funktioniert, dann sollte man es bitte sehr auch weiter produzieren lassen.
Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief
Tummeln mit Grossen Tümmlern
von Edda Buchner, AW (Begegnung mit Edda)
Ihre Meinung
Port Aransas am Golf von Mexiko liegt etwa dreieinhalb Autostunden, 150 Meilen, von San Antonio entfernt. Gemessen an den enormen Distanzen in Texas ist für uns sozusagen die Küste von Padre Island gleich um die Ecke. Auf der nach Hause Fahrt, wenn wir mit Sonne und Seewasser getränkt sind, entscheiden wir uns meist für die schnellere Route auf Interstate 37 über Corpus Christie. Für die Hinfahrt wählen wir jedoch schmalere Landstrassen, die durch kleinere Ortschaften führen. In manchen Städten, wie in Beeville, zeugen grossartig gebaute Rathäuser aus dem frühen 19. Jahrhundert von hochfliegenden wirtschaftlichen Ambitionen. Doch normalerweise wirken die mehrstöckigen Gebäude an der Mainstreet eher wie vergessenene Prinzen zwischen Dairy Queen und Burger King Restaurants. Seit 1886 rattern ellenlange Frachtzüge an den weit auseinanderliegenden Orten vorbei, sie transportieren Stückgut von der Küste ins Inland und zurück.
Die Landschaft hat ihre Eigenart behalten. Das Terrain wechselt von hügeligen Weiden, auf denen krumm gewachsene Mesquitebäume von der ehemalige Prärie Besitz ergreifen bis zum bügelbrettflachen Küstenstrich, der von endlosen Baumwollfeldern weiss beschneit ist. Silbergraue Brahmas, rote Herefords, weisse Charolais oder schwarze Angus Rinderherden, begleitet von zierlich weissen Ibis Vögeln, ziehen gemächlich durchs harte Gras. Manchmal sieht man flache Seen schimmern auf denen weisse Reiher und braune Pelikane sich zu völkerreichen Gemeinden versammeln. Dazwischen ragen ab und zu alleinstehende Ranchhäuser inmitten ihrer ausgedehnten Besitzungen auf. Vierbeinige, 10 Meter hohe Windmühlen aus Stahl pumpen Grundwasser hoch, gedrungene Ölpumpen, die wie monströse schwarze Grashüpfer aussehen, fördern das flüssige Gold zu Tage. Fast am Ziel sieht man dann massige Farmsilos, haushohe mit Baumwolle vollgestopfte Maschendrahtwaggons und in der Ferne feuerspeiende Ölraffinerien, die schlanken arabischen Minaretten ähneln.
Dann kommt der Moment auf den ich gewartet habe. Wir nähern uns der Fähre. Endlich strömt die geliebte Salzwasserluft durchs offene Autofenster und die Delphine springen zur Begrüssung in der Fahrwasserrinne zwischen Festland und Insel. Im Sommer bringen etwa ein halbes Dutzend Fähren den Besucherstrom in wenigen Minuten nach Port Aransas. Wir müssen etwas warten, weil ein immenser, unbeladener Tanker und ein turmhohes Frachtschiff im Schneckentempo auf Corpus Christie zusteuern. Die Kolosse schüchtern unsere texanischen Bottlenose Dolphins (Tursiops truncates) durchaus nicht ein. Die bis zu 600 Pfund schwer und bis zu vier Meter lang werdenden Meeressäugetiere weben ihre akrobatische Bogen graziös um den Schiffsbug der Monster. Oft blitzen ihre stahlgrauen Rücken mit der nach hinten gekurvten Rückenflosse im Duo nebeneinander auf. Die zu den Walen (Cetacean) gehörenden Tiere leben überhaupt gerne in geselligen, bis zu zwanzig Artgenossen zählenden Gruppen beisammen.
Es ist eine Freude, die unter dem Marine Mammal Protection Act von 1972 stehenden Delphine (sie leben fast 50 Jahre) zu beobachten. Die Bottlenose Dolphins, mit dem schönen deutschen Namen Grosser Tümmler, sind überall auf der Welt in tropischen Gewässern heimisch und tummeln sich mit wahrer Hingabe an der Mole von Port Aransas. Wie man inzwischen weiss, haben die intelligenten Delphine in ihrem gewölbten Kopf die einzigartigen Eigenschaften von Echolocation und Communication, d.h.sie schaffen es mit anderen zu kommunizieren während sie gleichzeitig navigieren. Sehr wahrscheinlich besser als ich zur selben Zeit reden und kochen kann. Doch wie ein typisches Säugetier, muss der Delphin unter Wasser den Atem anhalten. Also Blasloch zu, wenn man maximal fünf Meter taucht und nach spätestens zehn Minuten wieder an der Oberfläche einatmen. Die putzige Schnauze (Rostrum), die immer aussieht als ob der Delphin lächelt, verbirgt ein Gebiss von 20-25 konischen, ineinandergreifenden Zähnen. Allerdings benutzt er die nur zum Fische fangen nicht zum kauen, denn seine Beute schluckt er ganz runter. Jedesmal wenn ich an die Küste fahre bin ich heilfroh, diese herrlichen Tiere in Freiheit bewundern zu dürfen. Am liebsten mache ich ihre Kapriolen nach und tummle mich selbst stundenlang in den Wellen.
Vor ein paar Jahren, als das Meer besonders glasig und ruhig lastete und kein Mensch zu sehen war, wollte ich allein im Wasser die weite Strecke bis zur Mole zurücklegen. Mit dem Gesicht zum Strand gewendet schwamm ich auf meiner rechten Seite lang ausgestreckt in rhytmischen, weitausgreifenden Zügen. Glitt wie der Kiel eines Bootes oder die Bauchfinne eines Fisches glatt und nahezu wiederstandslos durch die Wellen. Das Wasser strömte schmeichelnd über meine Haut, meine langen Haare fächerten wie Seetang an der Oberfläche. Meerjungfrauen fühlten sich bestimmt derart mit dem Wasser verbunden. Hinter meinem Rücken hörte ich zeitweise tiefes Seufzen. Sicherlich eine Einbildung. Um mich herum war doch nichts weiter als der bauchige Golf von Mexiko, der seine warmen, salzigen Wassermassen bis weit hinter die Bohrtürme zum kalten Atlantik ausdehnte. Und vor mir schimmerte in Reichweite der meilenlange weisse Strand, wo zwischen Dünen einige Hotelhochhäuser und bonbonfarbene Bungalows im Sonnenlicht waberten. Mit leichtem Aufklatschen rollte die glasige Brandung verschäumend im Sand aus.
In Abständen von mehreren Minuten vernahm ich wieder deutliches Prusten hinter mir. Immernoch nichts ahnend wälzte ich mich herum und traute meinen Augen kaum. Etwa zwei Körperlängen entfernt tauchte lächelnd ein hellgrauer Delphin, der gleich mir ebenmässigen Abstand zum Strand hielt, durch die Wellen. Entzückt über diese märchenhafte Nähe zur Meereskreatur und nicht willens den Kontakt zu verlieren, drehte ich mich wieder auf die Seite und versuchte schneller zu schwimmen. Wenn der Delphin mich durch meine bisherigen gemächlichen Bewegungen vielleicht für einen Artgenossen oder sonst etwas Harmloses gehalten hatte, fand er den jetzt von mir angeheizten Wettstreit absurd. Mit einer geschmeidigen Biegung seines glatten, stromlinien-förmigen Körpers tauchte der grosse Tümmler weg und wenig später sah ich seine wie ein Segel gebogene dreieckige Dorsalfinne weiter draussen im Meer. Immerhin, eine zeitlang waren Delphin und Mensch wie bei der Erschaffung der Welt harmlose Weggenossen gewesen. Träumend paddelte ich auf dem Rücken in die erwünschte Richtung, der Sog begünstigte meine Bewegungen. Kurz vor der Mole, in der Nähe von meinem Badehandtuch, liess ich mich an den Strand treiben.
Wie geht es weiter?
Gedanken und Beobachtungen aus der Hauptstadt
Ihre Meinung
Von Ernst Winkler, DC Korrespondent
Washington, DC (awj) - Die Dichte der deutschamerikanischen Kontakte ist ermutigend. Man spricht miteinander.
Wenn die Anzahl der Besuche europaeischer Staatsmaenner, bzw. Frauen und ihrer Politiker ein Anzeichen fuer die anliegenden Probleme zwischen USA und Europa ein Indikator sind, dann kann man nicht unbesorgt bleiben. In den naechsten zwei Wochen werden sich Frau Merkel in Crawford auf der Texas Ranch von Herrn Bush, der tuerkische Ministerpraesident und der franzoesische Ministerpraesident Sarkozy in Washington einfinden. Vorangegangen sind allein sieben Besuche deutscher Minister in den vergangenen sechs Wochen, ein Besuch des Verteidigungsausschusses der Bundesrepublik und eine Vielzahl von Gespraechen auf allen Ebenen mit den Botschaftern der europaeischen Laender. Solch intensiver Austausch deutet darauf hin, dass nicht nur Routineangelegenheiten anstehen, sondern auch einige gravierende Probleme in den Beziehungen zwischen den USA und den Europaern Loesungen fordern. Es mag auch darauf hindeuten, dass wieder ungewoehnliche Aktionen der USA im Mittleren Osten in Vorbereitung sind. So wie seiner Zeit Israels Primeminister Sharon zu mehreren kurz auf einander folgende Besuchen nach USA reiste, und dann die USA den Irak angriffen, so koennte man heute auch wieder fragen: Was will Herr Bush fuer seinen Platz in der Geschichte noch in Bewegung setzen?
Welche Ziele verfolgt die ausgehende Administration Bush-Cheney?
Ohne Zweifel tut sich die ausgehende Bush Regierung schwer mit den durch den Irak Krieg deutlich verschlechterte Lage im Mittleren Osten. Waehrend die Englaender sich geschickt absetzen, bleibt den Amerikanern die Buerde der "erfolgreichen" Beendigung dieses teuren Krieges. Aber gleichzeitig versuchen die USA die Zweistaaten Loesung fuer das Palestina-Israel Problem durch eine Konferenzeinladung nach Annapolis wieder zu forcieren, verhaengen die USA im Alleingang neue Sanktionen gegen ein Iran, das zwar eine Atomindustrie nun mit russischer Unterstuetzung aufbaut, israelische Bombenangriffe auf syrische Industrieanlagen sanktioniert, wobei man vorgibt, diese seien fuer den Bau fuer Nuklearanlagen vorbereitet, und auch eine verstaerkte Einflussnahme auf Pakistan praktiziert, ohne wirklich den in der NATO vereinten und allierten Nationen offen die Ziele und geplanten Strategien dieser Aktionen offen zu avisieren. Die Dichte der deutschamerikanischen Konsultationen macht hellhoerig. Ist die deutsche Regierung tiefer in Bushs Plaene eingeweiht, als es oberflaechlich den Anschein hat?
Welche Ziele und welche Exitstrategien verfolgt die deutsche Regierung bzw. Europa?
In Gespraechen mit den deutschen Repraesentanten faellt immer wieder auf, welche Themen vermieden werden. Ein solches Thema ist die grosszuegige Freiheit, die die PKK in Deutschland geniesst. So ist es beunruhigend, dass das tuerkische Kurdenproblem zwar offen die NATO Treue der Tuerkei provoziert. Aber die NATO ist als Defensivbuendnis fuer alle seine Mitglieder gedacht. Nun aber wird ein Partnerland, die Tuerkei, aus einem von den USA besetzten Nachbarland, Irak, angegegriffen. Wessen Verantwortung ist nun die Verteidigung der tuerkischen Interessen?
Ein weiteres Thema ist die oft pflaumenweiche Haltung gegenueber den oft und offen ausgesprochenen Angriffsvorstellungen der USA gegen Iran. Warum fehlt hier eine klare und unmissverstaendliche Aussage der Europaeer gegen eine "ultima ratio" Loesung , naemlich gegen einen Krieg gegen Iran, der automatisch Russland involvieren muss?
Ebenso bleibt unausgesprochen und undefiniert ,aber deswegen umso gefaehrlicher, die Haltung Deutschlands und Europas in Israels Bestreben, ein Gross-Israel mit ethnischer Saeuberung der inkorporierten Gebiete von Palestinensern durch "facts on the ground" zu schaffen? Warum wird nicht offen darueber gesprochen, dass Israel im Besitz von einsatzfaehigen Atomwaffen sich nicht der internationalen Kontrolle unterwerfen will? Dass nunmehr auch Aegypten eine Nuklearindustrie aufbauen moechte,mit dem Hinweis, dass sein Nachbar Israel sie ja auch habe?
In Deutschland hat man sich zu einer Verlaengerung des Einsatzes im Natorahmen in Afghanistan zumindest im Parlament durchgerungen. Aber in der Meinung des Volkes ist diese Unterstuetzung ebenso wie in anderen Laendern wie Holland und Kanada durchaus nicht so mehrheitlich sicher. Urspruenglich wollte man Al Quaeda und die sie unterstuetzende Talibanherrschaft beseitigen. Wie sind die Kriegsziele, und besonders die exit-Ziele und die exit-Zeiten fuer dieses teure und blutige Engagement definiert?
Wo sind die bisher erzielten Erfolge gegen den Terrorismus?
In den Medien und von den Politkern beiderseits des Antlantik wurde viel von der Bewahrung der und dem Schutz der "Gemeinsamen Werte", von dem "Kampf gegen den Extremismus und Terrorismus" gesprochen. Und oft ziehen sich viele Politiker schwafelnd auf diese Redensarten zurueck, wenn man sie nach klaren Definitionen und Zielen befragt.
Welche Erfolge sind denn nun in den letzten fuenf Jahren wirklich erzielt worden? Haben die besonders in den USA aber auch im bundesdeutschen Haushalt erhoehten Verteidigungsausgaben fuer mehr Panzer, Raketen und anderes Hardware uns Erfolge gegen den Terrorismus gebracht?
Terroristen sind verfangen in einer Geisteshaltung, die der Unseren toedlich und oft diametral engegengesetzt ist. Damit wird der Kampf gegen den Terrorismus ein Ringen um die Koepfe und Herzen dieser Menschen. Oder will man hier Terror mit Gegenterror brechen? Wieder die Frage: Was sind denn wirklich die Ziele und die notwendigen Strategien, zu denen sich in unserer demokratischen Gesellschaft die Menschen bekennen und unterstuetzen muessen?
Sind die USA einzig berufen, die Ziele und Strategien im Kampf gegen Terrorismus zu formulieren?
Ist es nicht die Aufgabe und der Auftrag fuer unsere gewaehlten politischen Vertreter diese Ziele zu definieren, uns, dem Volk, zu erlaeutern und bekanntzumachen? Sind unsere europaeischen Ziele und daraus resultierenden Strategien inhaltlich und zeitlich identisch mit denen unserer Alliierten? Oder ueberlassen wir lieber solche fundamentalen Entscheidungen unseren Alliierten wie den USA? Hannemann geh du voran, du hast die laengsten Hosen an?
In Washington treffen sich die Minister, die deutschen und nicht nur deutschen Vertreter von Verteidigungsausschuessen, von Wirtschafts-, Gesundheits, Umwelt- und Wissenschaftsgremien. Doch welche Ergebnisse bringen diese bilateralen Begegnungen?
Vom 9. bis 11. November wird Frau Merkel auf hoechster Ebene mit Herrn Bush nicht nur im Jeep ueber die Texasranch fahren. Sie muss und wird ueber die drueckenden Probleme von Krieg und Frieden im Nahen Osten, in Afghanistan und Afrika sprechen. Auch viele andere wichtige und brennende Herausforderungen aus Wirtschaft und Finanzwelt werden anstehen. Schnelle Loesungen zu erwarten ist utopisch. Aber sie muss auch den amerikanischen Partner davon ueberzeugen, dass nur auf der Basis der gemeinsamen, und gemeinsam akzeptablen Definition der Ziele und deren Durchsetzung die so oft beschworenen "Gemeinsamen Werte" in der westlichen Welt erhalten, bewahrt und Loesungsansaetze entwickelt werden koennen. Das bedarf sicher der groessten kreativen Anstrengen der Besten und Maechtigen auf beiden Seiten des Atlantik und am Ural.
Kinder, Spione von morgen?
Ihre Meinung
Liebe Leserinnen und Leser,
das hatte sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen ja schön ausgedacht. Die CDU-Politikerin wollte doch tatsächlich Kinder in die Läden und Tankstellen schicken, um sie als Testkäufer ausprobieren zu lassen, wo sie denn böse Verkäufer finden würden, die ihnen entgegen der gesetzlichen Vorschriften Alkohol und Tabak verkaufen, obwohl sie noch keine 18 Jahre alt sind. Der normal denkende Bürger mag sich da an den Kopf fassen - und vielleicht auch zwiespältiger Meinung sein. Denn einerseits ist das eigentliche Ansinnen der „Vorzeigemutter“ der Bundesregierung keine so schlechte Idee. Schließlich dürfte es keinem verantwortungsbewussten Erwachsenen gefallen, wenn unseren „Kleinen“ alle Türen offen stehen, wenn sie an Wodka, Whiskey, Bier oder Zigaretten kommen wollen. Die Gefahren kennen wir alle nur zu gut. Wer gedankenlos ein Geschäft damit machen will, den sollte tatsächlich die Härte des Gesetzes treffen. Aber wenn wir nun damit anfangen, die Kinder als Spione von morgen auf die Straße zu schicken um in verdeckten Ermittlungsoperationen Jagd auf Kommerzsünder zu machen, dann muss man sich gleichermaßen die Frage stellen: Wo hört denn dieser Spionageeinsatz auf? Jetzt sind es die oftmals einfach nur ahnungs- oder gedankenlosen (wenn man ihnen das in aller Güte unterstellen will) Menschen hinter der Kasse, die aufs Korn genommen werden. Was kommt als Nächstes? Setzt man dann unsere Kinder darauf an, die steuerlich angegebenen und wirklichen Einkünfte der Eltern zu vergleichen, um Steuersünder zu ermitteln? Sollen sich Sohn oder Tochter ans Telefon setzen und eigenhändig die Polizei anrufen, wenn sie vermuten, dass Mama oder Papa mit dem Auto fahren wollen, obwohl sie etwas getrunken haben? Und wenn Mama oder Papa aus der Firma etwas mitgenommen haben, das eigentlich nicht ihnen, sondern dem Arbeitgeber gehört, dann wird dieser informiert, damit gleich die fristlose Kündigung ins Haus flattert? Nein, das alles sind beileibe keine Bagatelldelikte, sie sind natürlich verwerflich und können durchaus eine Straftat darstellen. Aber Kinder einzusetzen, um die Unzulänglichkeiten der staatseigenen Organe zu kaschieren, das geht eindeutig zu weit. Da fühlt man sich doch gleich an totalitäre Systeme wie die DDR oder das Dritte Reich erinnert, als man auch niemandem mehr trauen konnte, nicht mal den Mitgliedern der eigenen Familie. Das kann es doch nun wirklich nicht sein!
Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief
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